8. Juli 2018 - Erntebittgottesdienst


Predigt zu 1. Mose 8,22

Liebe Gemeinde!

Rhythmus gehört zum Leben dazu. Ob in der Musik – das merken wir heute beim Singen mit dem Posaunenchor. So wie auf dem Bild oben auf dem Liedblatt. Wenn der Rhythmus stimmt – man singen, klatschen und stampfen kann – dann fühlt man sich wohl, macht gerne Musik alleine oder mit anderen.

Aber auch sonst im Leben braucht man einen Rhythmus, um gut leben zu können. Wechsel von Schlafen und Wachsein, Arbeiten und Pausen, Essen und Verdauen.

Aber das ist oft nicht so einfach, diesen Lebensrhythmus zu finden und einzuhalten. Wir sehen das auf dem Liedblatt, innen links unten. Der Mann umgeben von Uhren. Termine, Druck von außen, die Uhr – sie bestimmen seinen Lebensrhythmus. Er kann oft nur noch reagieren – ohne auf den eigenen inneren Lebensrhythmus achten zu können. Etwas, was vielen Menschen heute Probleme macht – man fühlt sich getrieben, gehetzt, gestresst.

Ganz anders der Grundrhythmus des Lebens, der Natur, der Schöpfung. Wir haben davon vorher bereits gehört im kleinen Anspiel der Landfrauen. Diesen Grundrhythmus, den Gott versprochen hat am Ende der Sintflut:

Solange die Erde besteht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Was war vor dieser Zusage Gottes geschehen? Als die Menschen Gottes Schöpfung in Frage gestellt hatten, nach ihrem Vorteil gesucht, das Leben ihren eigenen Rythmen unterworfen – da hat Gott beschlossen, das Leben auf Neustarrt zu stellen. In der Sintflut hat er die Schöpfung ausradiert, nur Noah, dessen Familie und wenige Tiere gerettet. Danach neu angefangen.

Da hat Gott erkannt: ein Neustart mit den alten Menschen führt zu den alten Problemen – und zu neuen mit dazu. Deshalb verspricht er nun – trotz allem, was die Menschen Böses tun und getan haben: Solange die Erde besteht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Gott schenkt der Welt diesen Lebensrhythmus und kümmert sich um diesen Lebensrhythmus ohne Feierabend: Um den Wechsel von Saat und Ernte, von Frost und Hitze, von Sommer und Winter, von Tag und Nacht. Den Rhythmus im Jahreslauf und im Tageslauf.

Den Rhythmus, den wir Menschen beachten sollen, wenn es uns gutgehen soll. Ich habe deshalb das Bild rechts auf der Innenseite des Liedblattes eingefügt. Da haben wir den Wechsel der Jahreszeiten, von Saat und Ernte, von Frost und Hitze im Bild eines Baumes. Doch diese Bilder des Baumes sind auf Hände gemalt. Gott hat uns Menschen diesen Lebensrhythmus anvertraut. Er steht dazu – und legt ihn zugleich in unsere Hände.

Bei der Arbeit hier auf dem Bauernhof in der Landwirtschaft wird dieser Rhythmus stärker bewusst als in anderen Arbeitsbereichen. Weil jetzt gerade der Arbeitsstress in der Ernte da ist, umgekehrt die Zeit des Vorbereitens im Herbst, des Ruhens im Winter, der Aussaat im Frühjahr. Weil man abhängig ist von Wetter und Bodenbeschaffenheit.

Wir Menschen haben uns in unserem hochindustriellen und hochtechnisierten Land oft von diesen Rhythmen abgekopppelt – unser Leben wie gesagt dem Diktat der Uhr unterworfen. Alles soll so ablaufen, wie wir es uns vorstellen und geplant haben, wir wollen auch alle Lebensmittel zu jeder Zeit möglichst günstig und dennoch in hoher Qualität bekommen. Und merken nicht, wie sehr wir ohne Beachtung der Grundrythmen des Lebens uns und der Natur schaden.

Wenn man mit diesen Grundrhythmen des Lebens zu tun hat, wird uns zugleich die Abhängigkeit unseres Lebens von Gott bewusster. Dass da einer da ist, der diesen Lebensrhythmus garantiert und begleitet. Doch Gott gibt uns Menschen mit dieser Zusage keine Garantie auf ein ewiges Weiter-So in dieser Welt. Nur: Solange die Erde besteht. Wörtlich: Alle Tage der Erde lang. Unsere Welt ist endlich, ihre Ressourcen sind endlich. Wir haben diese Welt von Gott anvertraut bekommen und sollen sie als einmaliges Geschenk behandeln.

Wir tun das, wenn wir die Rhythmen unseres Lebens beachten. Unser Leben auf Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht ausrichten. Zeiten der Arbeit und der Ruhe einhalten, Durststrecken durchhalten und uns über Erfolge freuen. Dem Diktat der Uhr immer wieder entfliehen. Uns nicht immer fremdbestimmen lassen.

Dazu gehört auch, saisonal und regional zu essen wie wir es vorher gehört haben. Die Arbeit in der Landwirtschaft bei uns wertzuschätzen. Auch über den Preis.

Vor allem aber das, was wir heute tun: Für die Ernte beten – wie wir auch zu Erntedank bewusst dafür danken. Wissen: Unser Leben und unsere Welt mit ihren Rhythmen sind abhängig von Gottes Versprechen und von Gottes Treue. Dass wir in Verbindung bleiben mit Gott.

So leben und arbeiten wir im Rhythmus des Lebens, im Vertrauen auf Gott, der uns das verspricht: Solange die Erde besteht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Amen.