6. Mai 2018 - Rogate Konfirmation


Kurzpredigt zu Kolosser 4,2-6

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Liebe mitfeiernde Gemeinde!

Vielen Dank für Eure Gedanken zu den verschiedenen Türen. Türen sind ja merkwürdig doppeldeutig: Einerseits trennen Türen uns voneinander. Andererseits verbinden uns Türen miteinander.

Türen trennen: Wenn die Tür ins Schloss fällt, sind wir innen allein, für uns, abgegrenzt. Zugleich auch geschützt und geborgen. Wenn wir vor der Tür sind, sind wir ausgesperrt oder aber auch frei. Ihr habt es uns ja gezeigt: Es gibt Türen, da sind wir froh, wenn wir sie hinter uns schließen können und draußen sind – eine Krankenhaustür beispielsweise. Bei anderen sind wir froh, wenn wir sie hinter uns schließen können und drinnen sind – wenn wir heute Abend die letzten Gäste verabschiedet haben und die Haustür zugeht. Wir wieder für uns sind und denken: Geschafft! Mit Gästen geht es uns ja so: „Es ist schön, wenn sie kommen – es ist aber auch schön, wenn sie wieder gehen!“ Und umgekehrt.

Andererseits: Türen verbinden. Wenn die Tür aufgeht und Menschen einander begegnen. Die Kunst im Leben ist nur, dass man die richtigen Türen öffnet und die richtigen Türen schließt. Denn wer nur Türen schließt, vereinsamt Wer nur Türen öffnet, für den gilt der alte Satz: Wer nach allen Seiten offen ist, ist nicht ganz dicht.

Aber wie gelingt das? Eine alte Frage, die der Apostel Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Kolossae stellt. Zumal er diesen Brief aus dem Gefängnis schreibt. Also hinter verschlossenen Türen, von denen er sich wünscht, dass sie aufgehen. Er beginnt anders herum wie wir vorher in der Präsentation. Er fragt zuerst nach unserer Tür zu Gott:

„Hört nicht auf zu beten. Bleibt dabei stets wachsam und voller Dankbarkeit! Betet gleichzeitig auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort öffnet. Dann können wir das Christusgeheimnis verkünden, für das ich in Haft bin! Betet auch, dass ich es anderen so enthüllen kann, wie mein Verkündigungsauftrag es erfordert.“

Ihr habt uns vorher gezeigt: Gott öffnet jedem Menschen die Tür, der zu ihm kommt. Deshalb können wir durch diese Tür hindurchgehen, wenn wir beten. Immer und überall. Ob mit Worten oder ohne Worte. Mit unseren Sorgen und Bitten. Vor allem aber mit unserer Dankbarkeit. Wer dankbar ist, sieht, was Gott jeden Tag für uns tut. Wie viele Türen er öffnet. Wer betet, nutzt die offene Tür Gottes. Lebt aufmerksam für seine Umgebung. Deshalb hat der heutige Sonntag den lateinischen Namen „Rogate“ – Betet!

Wer so der offenen Tür Gottes vertraut, er kann auch auf die Türen zu anderen Menschen zugehen. Paulus setzt seine Überlegungen fort:

„Führt … ein Leben voller Weisheit. Macht das Beste aus der Zeit! Eure Rede sei immer freundlich, aber mit der nötigen Prise Salz. Dann wisst ihr auch, wie ihr jedem die angemessene Antwort geben könnt.“

Wir sind darauf angewiesen, dass andere Menschen uns Türen öffnen. Da kann man zwei Fehler machen: Man kann verschämt vor einer Tür stehen und warten bis der andere öffnet – da wartet man meist lange und allzu oft vergeblich. Oder aber man tritt jede Tür brutal ein, vor der ich stehe. Langfristig mache ich mir damit auch keine Freunde.

Deshalb vor der Tür zu anderen Menschen freundlich anklopfen. Paulus bezeichnet das mit dem Wort „Weisheit“. Das bedeutet: Sich in den anderen hineinversetzen. Überlegen: was braucht er? Was will er? Das vermeidet manches Missverständnis und manche Tür, die uns vor der Nase wieder zugehauen wird. Unsere Zeit nutzen.

Das bedeutet nun nicht, uns dem anderen nur anzupassen. Paulus kleidet das in das Bild: Freundlich, aber mit Salz gewürzt sollen wir reden. Freundlich, das heißt: So reden, dass die Tür offen bleibt. Dass der andere sich verstanden und akzeptiert fühlt. Mit Salz gewürzt heißt: Früher hat man mit Salz Wunden desinfiziert. Das hat gebrannt und weh getan, war aber nötig zur Heilung. So sollen wir auch Konflikte nicht scheuen. Unangenehme Dinge ansprechen. Kritik üben – freundlich im Ton, aber klar in der Sache. Dann öffnen wir Türen zueinander.

Dann können wir auch andere auf die offene Tür Gottes hinweisen und sie einladen. Wie es sich Paulus für sich wünscht: „Betet gleichzeitig auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort öffnet. Dann können wir das Christusgeheimnis verkünden, für das ich in Haft bin! Betet auch, dass ich es anderen so enthüllen kann, wie mein Verkündigungsauftrag es erfordert.“

Wir gehen durch viele Türen unser Leben lang. Gehen wir durch Gottes offene Tür – bleiben mit ihm in Kontakt durch das Gebet. Und gehen wir dann auf andere Menschen zu. Öffnen Türen. Immer freundlich, aber mit Salz gewürzt. Amen.