4. März 2018 - Oculi


Predigt zu 1. Petrus 1,17-21

Und da ihr den als Vater anruft, der ohne Ansehen der Person einen jeden richtet nach seinem Werk, so führt euer Leben in Gottesfurcht, solange ihr hier in der Fremde weilt; denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem nichtigen Wandel nach der Väter Weise, sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. Er ist zwar zuvor ausersehen, ehe der Welt Grund gelegt war, aber offenbart am Ende der Zeiten um euretwillen, die ihr durch ihn glaubt an Gott, der ihn von den Toten auferweckt und ihm die Herrlichkeit gegeben hat, sodass ihr Glauben und Hoffnung zu Gott habt.

Liebe Gemeinde!

Was ist wirklich wertvoll im Leben? Vielleicht beantworten wir diese Frage sehr unterschiedlich im Laufe unseres Lebens. Als Kind wurde meine Generation in der Grundschule bereits zum Sparen erzogen. Im Klassenzimmer hing ein Metallschrank der örtlichen Sparkasse, wo jeder Schüler ein abschließbares Fach hatte. Dort konnte man etwas von seinem Taschengeld einwerfen. Vorher gab es eine Info-Veranstaltung, wo einem erklärt wurde, wie viel Geld die Zinsen aus unserem kleinen Geldbetrag machen würden. Der Schrank wurde von der Sparkasse geleert und der Inhalt jeden Fachs auf das Jugendsparbuch des entsprechenden Schülers eingezahlt. Heute gibt es keine Zinsen mehr – die Wertanlage von damals hat sich erledigt.

Dafür erklärte mir vor knapp zwanzig Jahren ein Banker, ich solle Telekom-Aktien kaufen – das hätte er auch gemacht. Ich tat es nicht und als der Kurs dramatisch verfiel, gestand er mir kleinlaut, dass das keine gute Idee war. So könnte man weitermachen und entdecken: Wertanlagen sind immer gefährdet. Was ist also wirklich wertvoll im Leben?

Vielleicht kommen wir darauf, wenn wir überlegen: Was wünschen uns wirklich für unser Leben? Da würden wir vermutlich andere Dinge nennen als Geldanlagen. Wir nennen Dinge wie Glück, Gesundheit, Erfolg, Freude, Zufriedenheit. Viele nennen noch davor: Familie und Freunde. Wir können es zusammenfassen: Gemeinschaft und Geborgenheit – dass wir behütet und beschützt leben können.

Nun könnten wir entgegnen: Diese Wertanlage ist doch in unserem Leben auch gefährdet. Denn – mit Wilhelm Busch gesprochen – Leben ist immer lebensgefährlich. Wir können doch niemand absoluten Schutz, absolute Geborgenheit garantieren. Und wir wissen auch: Familie und Freundschaften sind nicht immer von Dauer.

Das ist sicher richtig aus unserer menschlichen Perspektive. Wir Menschen können in der Tat Gemeinschaft und Geborgenheit nicht garantieren. Zu begrenzt ist unsere Kraft, zu vergänglich unser Leben.

Aber wir haben eben ein Bibelwort gehört- Der Apostel Petrus macht uns darauf aufmerksam, dass ein anderer diesen beständigen Wert garantiert: Jesus Christus.

Im Bild gesprochen: Christus hat in unser Leben hohe Werte investiert. Petrus schreibt: „Denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid, sondern mit dem teuren Blut Christi.“ Das bedeutet: Christus hat sein Leben für uns eingesetzt. Er ist am Karfreitag in den Tod gegangen und ist am Ostermorgen auferstanden. Damit hat er den Tod besiegt. Hat gezeigt: Einer ist stärker als der Tod – Jesus Christus selbst.

Wir sind wieder in der Passionszeit. Wo wir uns das vor Augen stellen: Gott war das Leiden seiner Menschen nicht egal. Er hat sich in Christus auf die dunkle Seite dieser Welt begeben. Ist selber ins Leiden gegangen. In einer Welt, in der viel Blut vergossen wird. In der Tag für Tag gelitten und gestorben wird, ist Jesus selbst in die Hände der Gewalttäter gefallen – ja hat sich der Gewalt bewusst ausgeliefert.

Das nicht aus masochistischer Leidenssucht. Sondern um sich der Gewalt entgegenzustellen. Um das zu zeigen: Über die Lebenskraft Gottes siegt der Tod nicht. Gott hat Christus auferweckt von den Toten und ihm die Herrlichkeit gegeben.

An dieser Lebenskraft gibt er auch uns Anteil. Er wird die, die an ihn glauben, aus dem Tod in ein neues Leben führen. Wir haben gelesen: „Ihr glaubt an Gott, der ihn auferweckt hat von den Toten und ihm die Herrlichkeit gegeben, damit ihr Glauben und Hoffnung zu Gott habt.“

Wer Gott vertraut, hat also ein Leben, das mit dem Tod nicht endet. Sondern er glaubt und hofft: Gott führt mich durch den Tod in ein neues Leben in Gottes Nähe – so wie er Jesus zu Ostern auferweckt hat.

Diese Investition Jesu ist eine beständige Wertanlage. Denn sie garantiert ein Leben, das bleibt. Eine Geborgenheit sogar über das Ende unseres irdischen Lebens hinaus.

Wenn Gott so viel in uns investiert hat, dann macht das unser Leben beständig wertvoll. Selbst wenn von außen betrachtet nicht alles reibungslos verläuft. Weil wir bei Gott geborgen sind.

Wir können unser Leben dann im Vertrauen auf diese Geborgenheit und Nähe Gottes führen. „So führt euer Leben in der Verantwortung vor Gott.“ So können wir die Ermahnung des Petrus wiedergeben.

Denn wir sind dann befreit von äußeren Werten, auch vom Schielen nach Anerkennung durch andere Menschen. Sondern wir können uns den Menschen und Aufgaben zuwenden, die uns brauchen. Auch wenn sie kein Prestige geben und keine Beachtung finden. Wir leben dann nach anderen Werten als die, die in unserer Welt so häufig zählen. In einer Welt, in der Durchsetzungsvermögen und Erfolg zählen, leben wir Liebe und geduldiges Kümmern um die, die sonst nicht beachtet werden.

Mir sagte einmal jemand: Du bist weltfremd. Das war etwas vorwurfsvoll gemeint: Du hast doch keine Ahnung, wie das Leben läuft. Meine Antwort: Das kommt darauf an, welche Welt und welches Leben wir meinen. Ja: Wir Christen leben weltfremd – fremd in einer Welt, in der oft nur zählt, was äußerlich glänzt.

Vor Jahren machte ich einen Beuch bei einem Gemeindeglied im Krankenhaus. Der Mann war völlig überrascht, dass ich zu ihm kam – der eher distanziert dem Leben der Kirchengemeinde gegenüberstand. Da meinte er: Das können auch bloß Sie als Theologe so machen – immer mit dem Idealismus, der die Hoffnung nicht aufgibt.

Ja – so ist es: Wir sollen ein Leben leben, das sinnvoll ist und nicht unbedingt eines, das Beachtung findet. Ein Leben in Verantwortung vor Gott und nicht eines mit dem Beifall der Menschen.

Wer als Mensch lebt, in den Gott viel investiert hat, der gewinnt ein wertvolles Leben. Ein Leben, das geborgen bleibt über den Tod hinaus. Und das Werte schafft: die Liebe in dieser Welt. Amen.