26. Dezember 2017 - Zweiter Weihnachtstag


Andacht bei der Waldweihnacht im Archäopark zu 1. Johannes 3,1: Liebe wird sichtbar

Liebe Gemeinde!

Auf unserem Liedblatt sehen wir die Welt in Herzform. Das Herz – Zeichen der Liebe. Vielleicht denken wir nun: Schön wärs! Wenn so unsere Welt aussehen würde: Geformt und gestaltet von Liebe. Wir tragen ja solch eine Sehnsucht nach Liebe in uns. Und gerade zu Weihnachten wünschen wir uns, dass diese Liebe Gestalt gewinnt, sichtbar wird in unserer Welt. Und hoffentlich haben wir das so erlebt in diesen Weihnachtstagen, die nun wieder zu Ende gehen: Dass Liebe spürbar wurde in unseren Häusern und Familien, dann auch in unseren Herzen. Dass das ausstrahlte in unsere Welt.

Aber trägt das auch weiter – über diesen zweiten Weihnachtsfeiertag hinaus? Oder beherrschen da wieder Stress, Hass, Streit und Krieg diese Welt?

Vor und über dieser Herz-Weltkugel ist das Kind in der Krippe mit dem Stern abgebildet. Das zeigt uns: Weihnachten als Fest der Liebe ist mehr. Mehr als einen Rückzug in seine private Komfort-Zone zu den Menschen, die ich liebe und die mich lieben. Mehr als ein Appell an Liebe und Mitmenschlichkeit, den es in der Weihnachtszeit immer wieder zu hören gibt.

Sondern Weihnachten bedeutet in erster Linie: Liebe wird sichtbar. Und zwar als Geschenk. Als Geschenk Gottes. Gott schenkt uns Liebe in diesem Kind von Bethlehem. Dadurch, dass er Mensch wurde. Dass Gottes Liebe zur Welt in diesem Jesus einen Namen und ein Gesicht erhielten. Liebe müssen wir zuerst nicht machen, sondern Liebe wird geschenkt.

Deshalb schreibt der Apostel Johannes: „Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Gottes Kinder und wir sind es tatsächlich.“

„Seht!“ Mit dieser Aufforderung macht Johannes deutlich: Wenn ihr dieses Kind in der Krippe seht, dann seht ihr Gottes Liebe. Dann seht ihr: Gott ist diese Welt nicht egal. Er lässt sich in seiner Liebe ganz auf diese Welt ein.

Und das gilt nicht nur von schönen, festlichen, weihnachtlichen Stunden. Den diese Geburt im Stall ist ja alles andere gewesen als festlich und romantisch. Es war eine Geburt unter erbärmlichsten Bedingungen. Von Menschen auf der Flucht, die keine feste Bleibe hatten. Vielleicht mit manchem Flüchtlingslager in der Türkei oder in Griechenland vergleichbar.

Das bedeutet: Gott lässt sich auf diese Welt ein mit allen ihren Schattenseiten. Er kommt ins Dunkel eines Stalles. Aber ebenso in das grelle Licht einer Intensivstation einer Klinik heute. Er kommt in die Zimmer der Pflegeheime und in den Schrecken der Kriegsgebiete.

Doch damals in Bethlehem hat sich nichts spektakulär verändert. Aus Krippe und Stall wurde keine Wellness-Oase. Zunächst schienen Dunkelheit und Gewalt, Leid und Tod über diesem Jesus gesiegt zu haben. Und doch hat er die Liebe Gottes in dem allem und gegen das alles durchgehalten – so wie er den Leidenden und Ausgegrenzten begegnete sein Leben lang. Wie er Schuld und Tod besiegte in seiner Auferstehung. Dadurch hat er gezeigt: Diese Liebe, die er gebracht hat, wird siegen.

Das gibt Hoffnung auch dort, wo heute Menschen sich nach Liebe sehnen. Diese Liebe schenkt uns der Vater im Himmel. Indem er uns zu seinen Kindern macht, wie Johannes hier schreibt. Kinder Gottes – also Menschen, die zu Gott in einer engen Beziehung stehen wie Kinder zu Vater und Mutter.

Wie Kinder zu ihren Eltern kommen mit Freude und Sorge – so können wir zu Gott kommen mit unseren Freuden und Sorgen. Beten. Seine Kraft spüren.

Dann als Kinder Gottes leben – selbst etwas sichtbar machen von dieser Liebe. Bei den Menschen in unserem Umfeld, die sich nach Liebe sehen. So dass auch nach diesem zweiten Weihnachtsfeiertag Liebe sichtbar wird in unserer Welt. Und vielleicht diese Welt etwas mehr die Form des Herzens annimmt. Amen.