24. Juni 2018 - Geburt des Johannes des Täufers


Predigt zu 1. Petrus 1,8-12

Christus habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.

Nach dieser Seligkeit haben gesucht und geforscht die Propheten, die geweissagt haben von der Gnade für euch, und haben geforscht, auf welche und was für eine Zeit der Geist Christi deutet, der in ihnen war und zuvor bezeugt hat die Leiden, die über Christus kommen sollten, und die Herrlichkeit danach. Ihnen ist offenbart worden, dass sie nicht sich selbst, sondern euch dienen sollten mit dem, was euch nun verkündigt ist durch die, die euch das Evangelium verkündigt haben durch den Heiligen Geist, der vom Himmel gesandt ist, - was auch die Engel begehren zu schauen.

Liebe Tauffamilie!

Liebe mitfeiernde Gemeinde!

Wenn wir heute Ihr Kind taufen, dann wird etwas sichtbar, was sonst unsichtbar ist. Sozusagen das Wasserzeichen des Lebens. Wie beim Geldschein, der ein unsichtbares Wasserzeichen in sich trägt. Erst wenn wir den Schein gegen das Licht halten, sehen wir dieses sonst nicht zu erkennende Zeichen – das zugleich den Wert des Geldscheines ausmacht. Ihn von einem bloßen Papierfetzen unterscheidet.

So wie das Wasserzeichen bei der Banknote im Gegenlicht uns erkennen lässt, dass dieses Papier wertvoll ist, so zeigt uns das Wasserzeichen der Taufe: Valentin ist ein Kind, das von Gott geliebt ist. Wie das Wasserzeichen der Taufe jedem Menschen zeigt: Du bist von Gott geliebt. Oder wie es angeblich Martin Luther gesagt hat: Wer ein Kind sieht, der ertappt Gott auf frischer Tat.

Aber wie wir das Wasserzeichen des Geldscheins im Alltag kaum wahrnehmen können, so nehmen wir Gottes Liebe zu uns in unserem Alltag kaum wahr. Weil wir Gott nicht sehen können.

So wie es der Apostel Petrus im eben gehörten Bibelwort schreibt: „Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb, und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht.“ Es gehört also zum Wesen des liebenden Gottes, zum Wesen des auferstandenen Christus, für uns Menschen unsichtbar zu sein. Das ist im Grunde gut so. Denn nur ein unsichtbarer Gott lässt sich von uns Menschen nicht festlegen. Nur ein unsichtbarer Christus kann an jedem Ort, bei jedem Menschen zur gleichen Zeit sein.

Zugleich bringt die Unsichtbarkeit Gottes ein Problem mit sich. Was unsichtbar ist, gerät leicht in den Fokus unserer Zweifel. Wir sehen das ja bereits beim Wasserzeichen der Banknote. Wenn ich im Supermarkt mit einem Geldschein bezahle, hält ihn die Kassiererin sofort vor eine Lampe neben der Kasse. Das unsichtbare Wasserzeichen muss sichtbar gemacht werden, sonst herrschen Zweifel, ob ich nicht mit Falschgeld bezahlt habe.

Und im Glauben können diese Zweifel am unsichtbaren Gott uns in Krisenzeiten sehr zu schaffen machen. „Die Unsichtbarkeit Gottes macht uns kaputt. Wenn es wenigstens etwas zu sehen gäbe. Aber dieses wahnwitzige dauernde Zurückgeworfensein auf den unsichtbaren Gott selbst, das kann doch kein Mensch aushalten.“ So schrieb Dietrich Bonhoeffer 1931 in einem Brief an einen Studienfreund.

Beim Geldschein genügt, ihn ins Licht zu halten und wir erkennen das Wasserzeichen. Aber beim Wasserzeichen der Taufe? Bei der Liebe Gottes? Bei der Gegenwart des auferstandenen Christus?

Gerade wenn wir ein Kind taufen, verpflichten wir uns ja als Eltern, Paten und Gemeinde, es im Glauben zu erziehen. Die unsichtbare Liebe Gottes sichtbar zu machen. Wie geschieht das?

Der Apostel verweist hier zunächst auf die Propheten. Also auf die Schriften der Bibel. In ihnen erfahren wir von den Geschichten Gottes mit den Menschen. Sie können uns trösten, ermutigen, die Richtung weisen. Deshalb legen wir in unseren Gottesdiensten Bibelworte aus. Deshalb bekommen Sie für Ihre getauften Kinder Kinderbibel oder Bibel-Bilderbuch. In den Worten der Propheten, in den Texten der Bibel wird Gottes Liebe sichtbar.

Das zweite ist die Verkündigung: Die Propheten, die biblischen Autoren von früher dienen der Gemeinde heute, schreibt Petrus. Durch die Verkündigung des Evangeliums. Dass Menschen diese alten Texte neu zum Sprechen bringen. In Predigt und Unterricht, in Seelsorge und Andacht. Aber zugleich durch ihr Tun. Wenn wir die Liebe Gottes an andere weitergeben indem wir ihnen helfen, sie unterstützen. Durch beides – durch unser Reden und unser Tun wirkt Gottes guter Geist im Leben anderer. Wird das Wasserzeichen der Liebe Gottes sichtbar und erfahrbar.

Martin Luther hat das so ausgedrückt wie das Evangelium, Gottes gute Nachricht, zu den Menschen kommt: erstens durchs mündliche Wort, darin die Vergebung der Sünden gepredigt wird, zum anderen durch die Taufe, zum dritten durch das heilige Sakrament des Altars, zum vierten durch die Kraft der Schlüssel – also die Vergebung – und auch durch das wechselseitige Gespräch und den Trost der Brüder und Schwestern.

Wenn wir so das Wasserzeichen von Gottes Liebe sichtbar machen, dann schenken wir uns neue Perspektiven. Einerseits einen Blick nach oben. „Unaussprechliche und herrliche Freude“ nennt das Petrus hier. Wir vermitteln im Blick auf Gott eine Freude, die mehr ist als nur Spaß und Fröhlichkeit. Eine Freude, dass wir in unserem Leben bei Gott geborgen sind. Geliebte Menschen sind.

Andererseits einen Blick nach vorne: eine Zukunftsperspektive für unser Leben und für diese Welt. Petrus sagt: Das Ziel eures Glaubens, nämlich die Rettung eurer Seelen. Dass der auferstandene Christus uns ein Leben schenkt, das mit dem Tod nicht endet. Dass es eine Zukunft gibt jenseits von allem, was wir Menschen kaputt machen können.

Wenn wir so das Wasserzeichen der Liebe Gottes sichtbar machen, dann sind wir füreinander Propheten, Evangelisten – ja sogar Engel, also Boten Gottes. Wie es der Heilige dieses 24. Juni war, Johannes der Täufer. Trotz aller Widerstände.

Die Taufe ist das Wasserzeichen für Gottes Liebe. Machen wir es sichtbar durch unsere Liebe in Wort und Tat. Amen.