13. Mai 2018 - Exaudi


Predigt zu Jeremia 31,31-34

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: "Erkenne den HERRN", denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Liebe Gemeinde!

An diesem letzten Wochenende der Fußball-Bundesligen liegen Jubel und Tränen nahe beieinander. An der Spitze der ersten und der zweiten Liga war zwar schon lange alles entschieden – aber Klassenerhalt, Relegation oder Abstieg war noch bis zum Ende im Fluss. Wenn’s dann nicht geklappt hat, dann hört man oft den Satz: Wir haben gut trainiert, wir haben gute Spieler, wir waren hoch motiviert, aber wir können es auf dem Platz nicht umsetzen. Oder wie es Christian Streich sagte: Im Training verwandelst du jeden Elfmeter, im Spiel sieht es anders aus.

Eine Erfahrung, die es nicht nur auf dem Fußballplatz gibt: Man weiß, wie es richtig geht. Man kann es eigentlich auch. Aber im Ernstfall scheitert man. Das kennen Schüler, die sich auf eine Klassenarbeit gut vorbereitet haben und dann vor dem Aufgabenblatt sitzen und den Blackout haben. Das kennen wir von wichtigen Gesprächen oder Sitzungen, die wir geplant und überlegt haben – dann aber kommt alles ganz anders und wir gehen am Ende unzufrieden hinaus. Das kennen wir so aus der beruflichen, familiären, vereinsmäßigen Situation. Diese Enttäuschung über sich selbst – im Bild gesprochen: Ich habe meine PS mal wieder nicht auf die Straße gebracht.

Eine Erfahrung, die es ebenso im Glauben gibt: Wir wissen, wie wir uns als Christen gerne verhalten wollen. Wir wissen, wie das Leben in einer Kirchengemeinde aussehen sollte. Wie wir mit anderen Menschen umgehen wollen, ihnen begegnen sollen. Dann aber gelingt es wieder nicht. Weil mein eigener Egoismus, ein Missverständnis, Gedankenlosigkeit oder auch die eigene Bequemlichkeit im Wege stehen – so dass ich das nicht auf den Platz bringe, was ich mir vorgenommen habe. In der Fußballsprache: Das, was ich trainiert habe, nicht umgesetzt habe.

Weil ich mein eigenes Ego so gerne in den Mittelpunkt stelle, erfahre ich das Scheitern auch rasch am eigenen Leib. Kein Wunder, dass der Faktor Mensch insgesamt als Risikofaktor gilt.

Diese Erfahrung des Scheiterns an meiner eigenen Person und meiner eigenen Schwäche im Glauben und im Leben aus dem Glauben, kannte das Volk Israel bereits aus seiner Geschichte. Darauf nimmt jenes Wort Gottes Bezug, das wir gerade beim Propheten Jeremia gehört haben.

Da wurden die Israeliten gewissermaßen gut trainiert im Glauben und im Leben aus dem Glauben. Gott selbst war der Trainer. Er hat sie an der Hand genommen und aus der Sklaverei in Ägypten befreit. Gott hat einen Bund mit den Israeliten geschlossen, ihnen seine Gebote gegeben. Menschen gesandt, die sie immer wieder erinnern sollten: Erkennt doch Gott und seinen Willen! Angefangen mit Mose, dann die Propheten bis hin zu Jeremia selbst.

Doch immer wieder das Versagen auf dem Spielfeld des Lebens. Der Bund wurde gebrochen. Beginnend mit dem goldenen Stierbild, das sie noch am Sinai machten, bis zur totalen militärischen Katastrophe gegen die Babylonier zur Zeit Jeremias mit der Zerstörung von Tempel und Stadt in Jerusalem und der Deportation der Oberschicht.

Wie geht man mit dieser Enttäuschung um? Im Fußball kauft man neue Spieler und wechselt den Trainer. Meist auf Dauer nicht sehr erfolgreich – ich würde wetten, dass im Dezember Tayfun Korkut nicht mehr beim VfB auf der Bank sitzt. So einfach lässt sich das Problem nicht lösen, weil neue Leute irgendwann wieder die alten Probleme bekommen.

Deshalb will Gott grundlegender den Neustart machen. Er will einen neuen Bund schließen, in dem Gott sein Verhältnis zum Menschen auf eine neue Grundlage stellt. Gott gibt seine Weisung direkt ins Innere des Menschen. Gott schreibt seine Gebote ins Herz des Menschen. Das Herz ist für die Bibel das Steuerzentrum des Menschen. Wo Verstand, Wille und Gefühl konzentriert sind. Die Weisung Gottes muss also nicht mehr den Weg über Ohr und Auge, über das Gehirn und Gedächtnis des Menschen gehen. Der Störfaktor Ego wird umgangen.

Fast automatisch und routiniert leben wir aus unserem Glauben. Wie ein Herzschrittmacher implantiert wird, der unserem Herzschlag Impulse gibt, so implantiert Gott in unsere Herzen einen Schrittmacher, um Glauben und Lieben Impulse zu geben. Religionslehre und Ethikunterricht werden überflüssig. Es müssen keine Propheten und Lehrer mehr kommen, die sagen: Erkenne den Herrn! Sondern vom Kleinsten bis zum Größten werden sie mich alle erkennen.

Doch noch ist dieser neue Bund Gottes nicht Realität geworden. Noch leiden wir daran, dass wir vielleicht gut trainiert haben im Glauben und Lieben, aber das Trainierte oft so schlecht auf dem Platz umsetzten. Das gilt für Israel genauso wie für uns Christen. Bleibt die Ankündigung, die Gott durch Jeremia macht, also ein Wunschtraum?

Endgültig ist der neue Bund tatsächlich noch nicht Wirklichkeit. Aber Gott kündigt hier eine wichtige Voraussetzung an: Ich werde ihre Schuld verzeihen, ihrer Sünde nicht gedenken.

Das bedeutet: Gott kommt uns ganz nahe. Vergibt uns – überbrückt also den Abstand zwischen ihm und uns. Wenn wir das Trainerbeispiel von vorhin nehmen: Der Trainer wechselt sich selber ein und unterstützt den Spieler. Wie es im Amateurbereich ja manchmal Spielertrainer gibt. So steht Gott bereits jetzt uns zur Seite. Vergibt, wo wir an uns selbst scheitern. Fängt manche Folge unserer Verfehlungen auf.

Wichtig dazu ist: Diese Unterstützung Gottes anzunehmen. Nicht alleine aus eigener Kraft alles schaffen zu wollen. Mit meinem Scheitern und mit meinen Fragen zu ihm kommen.

So hat Jesus dieses Bild aus dem Jeremia-Buch aufgenommen. Er spricht vom neuen Bund und der Vergebung bei der Einsetzung des Abendmahls. Als er seinen Jüngern den Kelch reichte und sagte: „Trinket alle daraus, das ist mein Blut des neuen Bundes, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“

In der Hingabe Jesu Christi an die Welt kommt Gott uns Menschen ganz nahe. Gerade auch, wo wir versagt haben. Wenn wir uns diese Nähe zusprechen lassen in den Gaben von Brot und Wein, sagen wir damit: Wir alleine schaffen es nicht. Aber komm du in unser Leben und stehe uns bei.

So leben wir zwar noch im alten Leben aber mit der Zusage des neuen Bundes. Wir müssen unsre Versagen akzeptieren, unsere Schwächen in den Blick nehmen. Gott um Vergebung bitten und um Hilfe – dass er mit uns Tag für Tag die Herausforderungen des Lebens angeht. Und wir vielleicht immer wieder im Glauben und im Lieben etwas umsetzen von dem, was wir trainiert haben. Amen.