10. Mai 2018 - Christi Himmelfahrt


Was wir suchen … Predigt zu Kolosser 3,1-4

Laut Statistikern verbringt der durchschnittliche Bundesbürger ein ganzes Jahr seines Lebens mit dem Suchen nach Dingen. Weil ständig was nicht dort ist, wo wir es vermuten. Weil Frauen ohnehin zu viele und zu große Taschen bei sich haben. Weil wir Dinge nie alleine für uns gebrauchen. Weil wir uns nicht auskennen und einen Weg suchen – und ein Navi gerade nicht verlässlich arbeitet, niemand da ist, den wir fragen können – und Männer ohnehin nicht nach dem Weg fragen, sondern lieber selber suchen. Weil wir Dinge verloren oder irgendwo vergessen haben. Weil wir zu viel gleichzeitig machen wollen und niemand Multitasking fähig ist.

Suchen macht uns ärgerlich – wir haben das Gefühl, wir verplempern Zeit. Suchen macht uns ängstlich – weil wir nicht wissen, wo etwas Wichtiges ist. Hat es irgendwer genommen? Suchen macht uns hilflos – wir fühlen uns irgendwie tüttelig, desorientiert, verunsichert.

Aber es gibt ja noch andere Formen der Suche: Suche nach Mitarbeitern – für Firmen, Vereine, Kirchengemeinden nicht einfach. Ob bezahlt oder ehrenamtlich. Mancher und manche sucht nach dem idealen Partner, der idealen Partnerin fürs Leben – komisch, dass niemand meinen Ansprüchen genügt.

Dann gibt es noch Wünsche, Sehnsüchte, Ideale – Dinge, die wir in unserem Leben gerne verwirklichen würden. Probleme, für die wir gerne eine Lösung finden würden. Krankheiten, für die nach Therapien gesucht wird. Der Fortschritt der Menschheit beruht auf Suchen, Finden, Weitersuchen.

Niemand sucht gerne, aber jede Suche bringt uns weiter: Umwege erhöhen die Ortskenntnis, wer in seinem häuslichen Chaos etwas sucht, entdeckt viele Dinge, von denen er gar nicht mehr wusste, dass er sie besitzt. Manchmal lernen wir hilfsbereite Menschen kennen, die mit uns suchen.

Es gehört zum Wesen von uns Menschen zu suchen. Ständig sind wir auf der Suche nach großen und kleinen Dingen, nach Menschen und großen Lösungen. Nach Orientierung für unser Leben.

Das erste Himmelfahrtsfest begann auch mit einer Suche. Die Jünger Jesu waren nach Jesu Auferstehung 40 Tage wieder mit ihm unterwegs gewesen. Jetzt geht er in den Himmel, eine Wolke nimmt ihn auf. Die Jünger starren nach oben und sehen Jesus nicht mehr. Wie geht es weiter mit den Menschen, die an einen unsichtbaren Christus glauben?

Der Apostel Paulus gibt seiner Gemeinde in Kolossä dazu eine klare Anweisung: „Seid ihr nun mit Christus auferweckt, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.“

Die Suche der Christen seit Himmelfahrt ist also etwas anderes: Sie sollen nach dem suchen, was oben ist. Also Menschen sein, die nur in die Luft schauen, um dann über die eigenen Füße zu stolpern? Oder die Wirklichkeit auf der Erde nicht mehr so genau wahrnehmen? Am liebsten vor allem, was hier Mühe macht, davonlaufen? Vielleicht den alten Klassiker von Reinhard Mey anstimmen: Über den Wolken, da muss die Freiheit wohl grenzenlos sein?

Das wäre aber das Himmelfahrtsfest völlig missverstanden. Himmel und Erde, oben und unten sind keine geographischen oder astronomischen Richtungsangaben. Himmel und oben – das meint: Der Bereich Gottes. Jesus ist ja zu Himmelfahrt nicht einfach mit einem Fahrstuhl nach oben gegangen – sondern er ging zu Gott.

Wir sollen also nach dem suchen, was Gottes Wille ist. Nach dem suchen, was Gott für uns bereithält. Aber wie tun wir das?

Nicht, in dem wir in den Himmel starren. Schon beim ersten Himmelfahrtsfest fragten die Engel die Jünger, die Jesus hinterher sahen: Was schaut ihr zum Himmel? Da gingen sie zurück nach Jerusalem.

Nach dem suchen, was droben ist, nach Gottes Willen handeln, das tun wir, wenn wir aufmerksam auf die Erde schauen. Achtsam anderen Menschen begegnen. Spüren, wo jemand uns braucht. Situationen erkennen, in denen wir das Wort ergreifen sollen. Oder etwas tun, was einem anderen hilft.

Nach dem suchen, was droben ist – das tun wir, wenn wir uns nicht runterziehen lassen von dem, was uns Angst macht, was traurig ist, was uns entmutigen will. Das bedeutet: Nicht nach dem streben, was auf der Erde ist. Uns nicht denen anpassen, die sich resigniert mit dem abfinden, was da ist. Hoffnungsträger sein. Trost spenden. Da sein, wo man uns braucht.

Ja, wir suchen immer wieder große und kleine Dinge. Verlieren immer wieder die Orientierung in unserem Alltag. Manchmal finden wir das Gesuchte, manchmal nicht. Manchmal entdecken wir etwas, das wir gar nicht gesucht haben. In dem allem aber sollen wir die Grundorientierung nicht verlieren: Suchen, was droben ist. Suchen, was Jesus will, der im Himmel erhöht ist. Dann starren wir nicht zum Himmel und vergessen die Erde. Sondern holen ein Stück vom Himmel auf die Erde. Amen.